TSV wahrt mit leidenschaftlichem Heimsieg die Chance auf den Klassenerhalt
- fwidder
- 28. Apr.
- 4 Min. Lesezeit
Von Thomas Lehenherr

Bad Saulgau – Die Hoffnung lebt weiter. Der TSV Bad Saulgau hat am vergangenen Samstag vor einer nahezu voll besetzten und stimmungsgeladenen Kornriedhalle sein letztes Heimspiel der Saison gegen die SG Herbrechtingen/Bolheim mit 34:32 (18:16) gewonnen und sich damit die Chance auf den Klassenerhalt in der Verbandsliga bewahrt. Mit diesem immens wichtigen Erfolg zog der TSV mit dem ersten Nichtabstiegsplatz (Rang 11) gleich, rangiert aufgrund des verlorenen direkten Vergleichs mit Gerhausen jedoch weiterhin auf Platz 12. Nun kommt es am kommenden Sonntag in Deizisau zum alles entscheidenden Endspiel.
Die Ausgangslage war angespannt, auch personell. Nach dem Kreuzbandriss von Felix Lang im Spiel gegen Pfullingen und der Schulterverletzung von Nick Strommer war Improvisation gefragt. So kehrte mit Fabian Kohler der ehemalige Kapitän zurück aufs Parkett, und auch Torwartlegende David Bakosstellte sich erneut in den Dienst der Mannschaft.
Von Beginn an war zu spüren, was auf dem Spiel stand. Der TSV startete mit enormem Tempo, mit Leidenschaft und dem unbedingten Willen, dieses Spiel an sich zu reißen. Gegen die körperlich robusten und groß gewachsenen Gäste setzte Bad Saulgau auf Schnelligkeit, Spielwitz und Entschlossenheit. Vor allem Niklas Gönner, Marco Weisser und später Marc Jung gingen mutig voran, suchten immer wieder den Weg durch die gegnerische Abwehr oder setzten ihre Mitspieler klug in Szene. Nach 13 Minuten belohnte sich der TSV mit einer verdienten 9:4-Führung. Doch Herbrechtingen/Bolheim fand zunehmend besser ins Spiel. Die Gäste stellten sich defensiv besser ein, provozierten Fehler und nutzten diese konsequent. Besonders Spielmacher Luca Hauser führte seine Mannschaft zurück in die Partie und ließ den Vorsprung der Gastgeber schmelzen. Als das Spiel nach 20 Minuten wieder völlig offen war, blieb der TSV dennoch ruhig, kämpfte weiter und fand rechtzeitig zurück zu seiner Linie. Kurz vor der Pause nutzten Marc Kuttler und Marco Weisser mit zwei energisch herausgespielten Treffern Unaufmerksamkeiten des Gegners zur 18:16-Halbzeitführung – begleitet von ohrenbetäubendem Jubel auf den Rängen.
Nach dem Seitenwechsel stemmte sich der TSV mit allem, was er hatte, gegen den drohenden Druck. Torhüter LainesSchmid avancierte mit wichtigen Paraden zum Rückhalt seiner Mannschaft. Auch defensiv stand Bad Saulgau nun deutlich stabiler und setzte sich bis zur 41. Minute wieder auf fünf Tore ab. Doch wie so oft in dieser Saison blieb es ein Spiel der Emotionen. Die offensivere Deckung der Gäste brachte den TSV zunehmend ins Wanken, Fehler schlichen sich ein und Herbrechtingen kämpfte sich Tor um Tor heran. Als Patrick Jäger in der 52. Minute zum 28:28 ausglich, drohte die Partie zu kippen. Doch diesmal zeigte der TSV genau jene Mentalität, die es im Abstiegskampf braucht. Die Mannschaft blieb standhaft, ließ sich auch von der offenen Manndeckung der Gäste nicht aus dem Konzept bringen und antwortete mit kühlem Kopf und großem Herzen. Niklas Gönner vom Siebenmeterpunkt, Kapitän Jonas Dück, Moritz Schnell und Matthias Fuchs setzten in den letzten Minuten die entscheidenden Treffer. Mit dem Schlusspfiff explodierte die Kornriedhalle förmlich, der 34:32-Sieg war perfekt, die Hoffnung auf den Ligaverbleib lebt.
Da nach aktuellem Stand bereits der viertletzte Tabellenplatz zum Klassenerhalt reicht und die direkte Konkurrenz aus Gerhausen und Pfullingen ihre Spiele verlor, ist das Rennen um den rettenden Platz wieder völlig offen. Gewinnt der TSV am letzten Spieltag beim Tabellenvierten in Deizisau und patzen die Konkurrenten erneut, ist der Klassenerhalt tatsächlich noch möglich. Sogar ein Remis könnte reichen – verliert Gerhausen. Eine Niederlage hingegen würde den Abstieg bedeuten.
Noch-Trainer Markus Weisser wischte sich den Schweiß nach dem Spiel von der Stirn. „Es war wie in der ganzen Saison ein Auf und Ab. Doch diesmal haben wir in den entscheidenden Situationen am Ende die Oberhand behalten und letztendlich einen verdienten Sieg eingefahren. Wir haben dadurch noch die Chance auf den Klassenerhalt und werden alles daransetzen, sie zu nutzen“, sagte Weisser. Ins gleiche Horn stößt der sportliche Leiter Björn Keller. „Jetzt möchten wir natürlich auch in Deizisau gewinnen und dies zu einem Heimspiel machen. Wir setzen alles daran, dass möglichst viele Fans zu diesem Endspiel mitkommen, sei es über Fahrgemeinschaften oder mit dem Bus. Anwurf ist um 17 Uhr in der Hermann-Ertinger-Sporthalle. Wir sind gerade dabei, einen Fanbus zu organisieren“, sagte Keller.
Spieler- und Trainerverabschiedung
Unmittelbar nach dem Match wurde es vor großer Zuschauerkulisse noch einmal besonders emotional. Im Anschluss an den umjubelten Heimsieg verabschiedete der sportliche Leiter Björn Keller mehrere verdiente Spieler und Trainer der ersten Mannschaft – ein bewegender Moment, der vielen in der Kornriedhalle sichtlich naheging. Mit Tobias Lehleiter, Marc Jung, Moritz Schnell sowie den Youngstern Leonard Boss und Joschka Kirschner verlassen gleich mehrere Spieler die Mannschaft, um sich künftig auf ihr Studium zu konzentrieren. Kreisläufer Patrick Fritz beendet zudem seine Laufbahn in der ersten Mannschaft, bleibt dem TSV aber gemeinsam mit Michael Reck als Trainer der Frauenmannschaft erhalten. Auch an der Seitenlinie stehen Veränderungen bevor: Markus Weisser, Henrik Utoft sowie Fitnesscoach Michael Traub beenden ihre Trainertätigkeit wie angekündigt zum Saisonende. Die Verabschiedungen verliehen dem Abend eine zusätzliche emotionale Tiefe zwischen Freude über den immens wichtigen Sieg und Wehmut über den Abschied verdienter Gesichter. Mit Levente Farkas als neuem Chefcoach und David Bakos als Fitnesstrainer stehen die Nachfolger bereits bereit.
Doch bevor das Kapitel dieser Saison endgültig geschlossen wird, wartet noch das alles entscheidende Finale in Deizisau.
TSV: Schmid, Bakos (beide im Tor), Dück (4), Gönner(7/davon 4 Siebenmeter), Weisser (6), Jung (2), Luib (2), Kuttler (4), Kohler, Fritz, Beutter, Fuchs (5), Callies, Schnell



