TSV Bad Saulgau feiert überzeugenden Heimsieg – Steinheim chancenlos
Von Thomas Lehenherr
Bad Saulgau – Was für eine Reaktion! Nach dem missglückten Saisonauftakt präsentierte sich Handball-Landesligist TSV Bad Saulgau beim ersten Heimspiel wie verwandelt und ließ dem hoch eingeschätzten TV Steinheim vor voll besetzter Kronriedhalle keine Chance. Mit einer überzeugenden Vorstellung, viel Tempo und einer geschlossenen Mannschaftsleistung sicherten sich die Gastgeber einen auch in dieser Höhe verdienten 36:25-Erfolg (Halbzeit 21:11). Der Unterschied zum Auftaktspiel gegen Hofen/Hüttlingen 2, das der TSV am vergangenen Wochenende mit 24:26 verloren hatte, hätte kaum größer sein können. Von der ersten Minute an waren die Jungs des Trainergespanns Levente Farkas und David Bakos hellwach, hoch konzentriert und vor allem entschlossen. Gegen die Gäste um ihren Ausnahmespieler und ehemaligen TSV-Akteur Dennis Kaumann legten die Hausherren ein Tempo vor, mit dem Steinheim offensichtlich nicht gerechnet hatte. Allen voran Niklas Gönner drückte von Beginn an aufs Gaspedal und setzte seine Mitspieler immer wieder gekonnt in Szene. Die gegnerische Defensive fand insbesondere bei der schnellen Rückwärtsbewegung kaum Mittel gegen die variablen Angriffe der Gastgeber. Auch die Chancenverwertung stimmte diesmal über weite Strecken, der TSV traf aus nahezu allen Positionen.
Taktisch setzte Bad Saulgau zunächst verstärkt auf Rückraumaktionen und agierte ohne klassischen Kreisläufer. Das Konzept ging voll auf, obwohl die Mannschaft auf zwei wichtige Leistungsträger verzichten beziehungsweise deren Einsatzmöglichkeiten einschränken musste: Kapitän Marco Weisser fiel mit einer Fingerverletzung komplett aus, Marc Kuttler konnte aufgrund seiner langwierigen Ellenbogenverletzung lediglich in der Abwehr mitwirken. Das tat dem Spielfluss jedoch keinen Abbruch. Niklas Gönner und A-Jugendspieler Lian Ruhl sorgten immer wieder für hohes Tempo und bewiesen dabei auch im Abschluss ihre Treffsicherheit. Überragend präsentierte sich zudem Jannik Beutter im Rückraum. Immer wieder von seinen Mitspielern gesucht, setzte er mit seinen spektakulär verzögerten Würfen echte Ausrufezeichen und ließ dem gegnerischen Torhüter kaum eine Abwehrchance. Auf der Gegenseite mühte sich TV-Spielmacher Dennis Kaumann nach Kräften, seine Mannschaft ins Spiel zu bringen. Mit überraschenden Zuspielen und raffinierten Bodenpässen an den Kreis versuchte er, die TSV-Abwehr auszuhebeln. Doch die reagierte an diesem Abend schnell, aufmerksam und geschlossen. Zudem fehlte es seinen Mitspielern häufig an Entschlossenheit im Abschluss. So ging der TSV mit einer auch in dieser Höhe verdienten 21:11-Führung in die Halbzeitpause. Nach dem Seitenwechsel schlichen sich bei den Gastgebern zunächst einige Unkonzentriertheiten ein, die Steinheim nutzte, um den Rückstand etwas zu verkürzen. Doch auf den starken Rückhalt im Tor war weiterhin Verlass: Marius Müller entschärfte mit mehreren sehenswerten Paraden die gegnerischen Würfe und verhinderte, dass die Partie noch einmal spannend wurde. Im letzten Spieldrittel übernahm Laines Schmid zwischen den Pfosten und knüpfte mit ebenfalls starken Paraden nahtlos an die Leistung seines Vorgängers an. Im weiteren Verlauf fand der TSV zu seiner spielerischen Linie zurück und hatte die Partie jederzeit unter Kontrolle. In den letzten zehn Minuten nutzte das Trainerteam die komfortable Führung sogar für einige taktische Experimente. So kam im Angriff zeitweise ein siebter Feldspieler anstelle des Torhüters zum Einsatz – eine Variante, die nicht immer den gewünschten Erfolg brachte, am sicheren Ausgang der Begegnung aber nichts mehr änderte. Auch die beiden Unparteiischen hatten mit der jederzeit fair geführten Begegnung keinerlei Probleme. Insgesamt gab es lediglich eine Zeitstrafe – ein weiterer Beleg für den sportlich fairen Charakter der Partie. Die Stimmung in der Kronriedhalle war entsprechend ausgelassen. Spieler, Verantwortliche und Fans feierten den überzeugenden Auftritt der Mannschaft. Angesichts dieser Leistung war kaum zu glauben, dass dieselbe Mannschaft nur eine Woche zuvor noch so weit hinter ihren Möglichkeiten geblieben war. Umso wichtiger dürfte dieser Erfolg für das Selbstvertrauen und den weiteren Saisonverlauf sein.
Trainer zeigen sich mit gegensätzlichen Gefühlen
Wenig überraschend fiel die Analyse der beiden Trainer nach Spielende unterschiedlich aus. TV-Coach Gerhard Fetzer fand beim Pressegespräch deutliche Worte für den Auftritt seiner Mannschaft. „Dennis Kaumann hat sich aufgerieben, aber auf halblinks und halbrechts kam nichts, es wurde zu wenig Druck aufgebaut. Wir sind überhaupt nicht ins Spiel gekommen, Null-Aktion, kein Tempo, auch am Kreis und von außen war es nicht gut. Wir müssen aufpassen, dass wir unten nicht hängen bleiben“, sagte Fetzer. Sein Gegenüber Levente Farkas war dagegen die Erleichterung über die gelungene Reaktion seiner Mannschaft deutlich anzumerken. Nach der Auftaktniederlage hatte das Trainerteam in der Trainingswoche vor allem Aufbauarbeit leisten müssen. „Wir mussten diese Woche nach der Niederlage mit den Jungs mental viel arbeiten, sie wieder aufbauen, dass sie wieder Selbstvertrauen bekommen. Dass die Mannschaft aber in den ersten zehn Minuten gleich so loslegt, hätte ich nicht erwartet. Alle haben mitgemacht. Was letzte Woche passiert ist, soll nicht noch einmal vorkommen“, sagte Farkas. Gleichzeitig richtete der Chefcoach den Blick bereits nach vorne. Am 17. Oktober gastiert der HC Lustenau zum nächsten Heimspiel in der Kronriedhalle. Die Aufgabe dürfte allerdings deutlich unangenehmer werden. „Uns erwartet viel Härte und eine flexible Abwehr“, warnte Farkas. Dass sich der neue Cheftrainer in Bad Saulgau bereits bestens eingelebt hat, war seinen Worten ebenfalls zu entnehmen. „Ich bin sehr gut aufgenommen worden vom TSV und von der Mannschaft. Die Vorbereitung hat gut funktioniert. Die Jungs sind hoch motiviert, das hat man heute auch gesehen. Es ist etwas ganz besonders Beeindruckendes, hier der Halle vor dieser Fankulisse zu spielen“, freute sich der Neue.
Auch abseits der ersten Mannschaft gab es Grund zur Freude: Die Herren 2 machten es der Ersten nach und gewannen ihr anschließendes Heimspiel gegen Uttenweiler souverän mit 24:17. Ein rundum gelungener Handballabend für den TSV Bad Saulgau!
TSV: Müller, Schmid (beide im Tor), Dück (2), Gönner (7/davon 1 Siebenmeter), Luib (7), Beutter (7), Kuttler, Widder (1), Strommer (1), Hornstein (1), Ruhl (5), Balan (4), Reiser (1).



